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Ihre Schlussrechnung ist nicht prüffähig!

„Ihre Schlussrechnung ist nicht prüffähig!“ – Das ist das Totschlagargument, mit dem schon mancher Bauherr die Baufirma zur Weißglut gebracht hat. „Nicht prüffähig“ – das bedeutet schlimmstenfalls: Rechnung nochmals neu schreiben, wieder zuschicken und zu hoffen, dass sie nun den Anforderungen des Bauherrn genügt.

Dabei muss man in vielen Fällen gar nicht prüffähig abrechnen. Nur wenn Sie einen Bauvertrag abgeschlossen oder die VOB/B vereinbart habe, ist die Prüfbarkeit Ihrer Schlussrechnung für Sie ein Thema. Beim „normalen“ Werkvertrag brauchen Sie keine prüfbare Schlussrechnung, ja noch weitergehend: Sie brauchen eigentlich gar keine Schlussrechnung. Denn beim reinen Werkvertrag ist die Zahlung schon bei der Abnahme fällig, ohne dass es überhaupt einer Rechnung bedürfte.

Das heißt natürlich nicht, dass Sie in diesen Fällen auf die Übersendung einer Abrechnung verzichten sollten. Schließlich wollen Sie Ihrem Kunden ja mitteilen, was er Ihnen überhaupt schuldet. Aber besonderen Anforderungen muss diese Abrechnung nicht genügen. Sie brauchen dazu also dem Bauherrn weder ein Aufmaß noch weitere Belege zu überlassen. Und wenn er dann herummault, die Rechnung sei nicht prüfbar, dann antworten Sie ihm ruhig, er solle froh sein, dass er überhaupt eine Rechnung bekommen hat.

Aber Achtung: das gilt alles nur für den „reinen Werkvertrag“, also nicht für den speziellere Bauvertrag. Aber worin unterscheiden sich beide Vertragsformen eigentlich voneinander? Nun, der Bauvertrag ist ein Unterfall des Werkvertrages, das heißt, dass jeder Bauvertrag ein Werkvertrag, aber nicht jeder Werkvertrag auch ein Bauvertrag sein muss.

Was ein Werkvertrag ist, wissen Sie vermutlich: Damit schulden Sie ein bestimmtes Werk, wie der Name schon sagt, also einen bestimmen Erfolg. Ein solches Werk kann die Reparatur einer Heizung genauso sein wie die schlüsselfertige Herstellung einer ganzen Wohnanlage. All das sind also Werkverträge.

In einem Bauvertrag sind demgegenüber nur die Herstellung, Beseitigung oder der Umbau von Bauwerken oder Außenanlagen oder eines Teils davon geregelt. Verträge über Instandhaltungsarbeiten sind nur dann Bauverträge, wenn das betroffene Werk „für die Konstruktion, den Bestand oder bestimmungsgemäßen Gebrauch“ von wesentlicher Bedeutung ist. Letztlich bedeutet das, dass nur solche Verträge als Bauverträge anzusehen sind, wenn sie für den Bestand oder die Funktion des Gebäudes unerlässlich sind. So ist die Reparatur eines Heizkörpers sicher kein Bauvertrag, weil sie für Funktion und Bestand des Gebäudes ohne Belang ist. Hier liegt also „nur“ ein Werkvertrag vor. Anders verhält es sich mit der Lieferung und dem Einbau einer gesamten Heizungsanlage. Da ein Gebäude ohne eine funktionierende Heizungsanlage kaum zu gebrauchen sein wird, liegt hier also ein Bauvertrag vor.

Kommen wir nochmals zurück zur Schlussrechnung: Sie erinnern sich? Prüfbar abrechnen müssen Sie nur beim Bauvertrag, aber nicht beim normalen Werkvertrag. Geht es also um die Herstellung der Funktionsfähigkeit eines Bauwerks oder um Arbeiten, die für seinen Bestand unerlässlich sind, dann müssen sie auch prüffähig abrechnen. In allen anderen Fällen reicht eine einfache Abrechnung schon aus. In diesem Fall können Sie dem Bauherrn, der eine prüfbare Rechnung möchte, nur müde anlächeln.

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